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Clamp crushed // paint smothered

by Jutta Teutenberg // transl. Benjamin Schaab and Rachelle Rahme




It is its graphic, minimalistic appearance that renders the art of Adrian Wald almost demure at first sight. Geometric forms confront the spectator, as a deep sensibility for the facture and materiality of his practice unfolds in painting and sculpture. Materials such as linen, canvas stretchers, clamps and screws are put to use and visualized in their rawness and self-sufficiency. A profound love of these materials combines with striking craftsmanship to offset the work‘s sober and subdued formal vocabulary. All paintings ironically examine their createdness and thus also the process of creating art itself, culminating in „Würfelbild“ (Ger. for cube painting) which – being more of a sculpture than a painting – stresses that what is given to be seen on the paintings – held together by the clamp – might ultimately never be revealed.



„In der Kunst macht man keine dummen Scherze“

von Jutta Teutenberg


Durchaus frivol lugt ein kleiner Schalter zentral aus einer runden Leinwand hervor (Schaltertondo), man darf ihn anfassen. An. Aus. An. Aus. An. Aus. Das hat etwas Befriedigendes. Funktioniert das Bild? Wir sind es, die darüber entscheiden, machen an oder eben aus.

Gute Kunst ist schwer - das sieht man bei der Serie der (Kissenbilder) gleich. Mit konzentriertem Schwung werden Farbspuren auf gepolsterte Leinwände gesetzt. Oder auch mal hemmungslos mit dem Finger direkt durch die Stoffspalte gezogen. Adrain Wald wendet dabei sehr große Kraft auf und nimmt dermaßen viel reichhaltige Ölfarbe, dass die Leinwand unter dieser physischen Einwirkung nachgeben muss. Und das ist kein dummer Scherz. Der ist gut. Denn Kunst hat wahnsinnig viel mit glauben zu tun. Man muss daran glauben. Besonders findig zeigt Wald das mit seinen (Wasserwaagenbildern). Sehr viele kleine Wasserwaagen formieren sich zusammen zu einem Bild, das an und für sich vor Ordnung nur so strotzen sollte. Doch bei genauerem Hinschauen, entdeckt man immer eine Wasserwaage, die nicht im Lot ist, nicht eine gleicht der anderen. Ein Instrument, dem man sonst blind vertraut, führt einen hinters Licht. Denn die Potenz von Ordnung führt paradoxer Weise zum reinsten Chaos. Wem kann ich trauen? Woran kann ich überhaupt noch glauben? Es wird zum Sinnbild für die Fragwürdigkeit des Konformitätsdenkens - im selben Topf sind eben doch nicht alle gleich.

Man fragt sich wie das sein kann - Wie klappt denn das? (Klappbilder). Eine Frage, die bei der Kunstschau gerne hinten angestellt wird, aber brennend interessiert. Mit den Klappbildern nimmt Wald ganz wörtlich darauf Bezug. Kleinformatige, quadratische Bilder sind durch Scharniere mit einander verbunden und bilden so ein bewegtes Raster voll performativer Kapazität. Die Arbeit kann dabei spielerisch ihre Form und Gattung verändern. Der Übergang von Objekt bzw. Skulptur zum Bild wird buchstäblich fließend. Das Werk entzieht sich somit einer zu strengen Kategorisierung, es bleibt frei und flexibel und revoltiert gegen Enge und Engstirnigkeit.

Auch die (Klemmbilder) changieren zwischen Bild und Skulptur: Mysteriös verformte, polygone Leinwände werden mit Klemmen versehen. Hier wird die Leidenschaft des Betrachters für Logik und Kausalität direkt und unmissverständlich befriedigt: Denn wie ein bildgewordenes DARUM sitzt die Klemme auf dem Bild.

Wald schafft mit seinen Arbeiten einen Bilder-Kosmos, der schier immer weiter diffundieren kann. Eine unermüdliche „inventio“ sorgt stets für immer neue Bildfindungen. Vielschichtig in der Gestalt, ist es ein bestimmter Look, fast wie eine CI, der sie zusammenhält. Doch werden sie dabei niemals zu clean, niemals hochnäsig. Sie sind nicht aalglatt, sondern nahbar, lasterhaf. Ihre Oberflächen sind ehrlich, zeigen was sie sind. Es ist nicht die klare Form, die Perfektion oder das Absolute, das Wald mit seinen Arbeiten zeigen will. Sie alle unterwandern - formal wie inhaltlich - die Macht der reinen Form. Wald geht dabei mit ebenso viel Respekt wie Resentiment mit den klassischen, geometrischen Formen der Moderne um.

Besonders eindrücklich wird dies beim „schwarzen Quader“. Er rekurriert - ob er will oder nicht - auf jenes schwarze Quadrat, jene Ikone der Moderne. So wie dieses Bild - vor dem Hintergrund eines klassischen Bildverständnisses und einstiger Sehgewohnheiten - nichts zeigte, nichts zeigen wollte, verweigert sich auch Walds Arbeit dem Betrachter. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und gibt uns nicht einmal mehr die Bildflächen zu sehen. Förmlich die doppelte Negation. Nicht nur die Bilder, sondern auch der Betrachter sitzt hier am Ende in der Klemme: Denn was auf den Leinwänden zu sehen ist, wird er niemals herausfinden - es sei denn der Bildliebhaber wird zum Ikonoklast, löst die Klemme und zerstört damit das Werk. Walds Kunst vermag es demnach, uns in einen Zustand ewiger Neugier zu versetzen.